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BARMER 2. Basketball Bundesliga ProB Nord
28. März 2021

Tschüss, Vid: ETV-Legende Vidmantas Uzkuraitis zieht es in die Heimat

Gibt es ein Leben ohne Basketball? Für Vidmantas Uzkuraitis ganz bestimmt nicht. Nicht bei seiner Herkunft. Denn Vid, wie ihn beim Eimsbütteler TV Hamburg alle nur nennen, stammt aus Litauen. Da bekommen Kinder bekanntlich das orangefarbene Leder in die Wiege gelegt. Und dahin, so steht inzwischen fest, zieht es den 36 Jahre jungen Ex-Profi bald aus familiären Gründen zurück. Zurück in die Heimat. Zurück nach fünf erfolgreichen Jahren beim ETV, wo wohl niemand den Shooting Guard so schnell vergessen wird. Zeit, Abschied zu nehmen.

„Ich bin immer noch ein bisschen traurig. Ich dachte, es wäre leichter. Aber ich freue mich auch auf die Zukunft“, gesteht Vid – mit etwas Wehmut, aber auch Zufriedenheit in der Stimme. Zu schön ist es einfach in Palanga, einer kleinen Stadt am Meer, 20 Kilometer nördlich von Litauens Hafenmetropole Klaipeda gelegen. Dort, wo die Eltern von Ehefrau Dovile (33) leben, und wo es Sohnemann Gabriel so gut gefällt. Wer den fast Dreijährigen mit einem Mini-Basketball sieht, der ahnt, dass er einmal in Papas Fußstapfen treten wird. Und vermutlich mit der gleichen Begeisterung auf Korbjagd gehen wird wie Vater Vid.

 

Der wurde am 28. Januar 1985 in Litauens Basketball-Hauptstadt Kaunas geboren. Nach gescheiterten Versuchen mit Karate und Schwimmen schickten ihn seine Eltern – wie sollte es anders sein – mit knapp sieben Jahren zum litauischen Volkssport. „Ich hatte als Kind viel Energie, meine Eltern mussten irgendwas mit mir machen“, erinnert sich Vid. Basketball wurde eine gute Wahl, wie sich herausstellen sollte. Schon bald eiferte Klein-Vidmantas seinem Idol Michael Jordan nach, wurde besser und besser. Und schließlich so gut, dass der Dreierspezialist eine Profikarriere einschlug. So duellierte er sich in Litauens Erster und Zweiter Liga mit Größen wie dem späteren NBA-Star Mindaugas Kuzminskas oder anderen Spielern, die es in die Nationalmannschaft oder in die Euroleague schafften. Nach einem Abstecher nach England zu den Worcester Wolves in die British Basketball League (2008-2010) führte Vids Weg 2012 in Belgiens Zweite Liga, wo er mit Cuva Houthalen zum Abschluss hauchdünn den Aufstieg verpasste.

 

Und dann, nach vier Jahren in Flandern, ging es 2016 nach Hamburg. In die Stadt, die seine „zweite Heimat“ werden sollte, wie Uzkuraitis selbst sagt. Nachdem eine Beschäftigung als Co-Trainer beim SC Rist Wedel sich zerschlug, landete der Globetrotter in Eimsbüttel, bei den Korbjägern aus dem Herzen Hamburgs. Er sollte es nicht bereuen. Aus der Zweiten Regionalliga ging es kontinuierlich bergauf, bis in die BARMER 2. Basketball Bundesliga ProB. Immer vorneweg: Vidmantas Uzkuraits. „Vid ist ein ganz wichtiger Bestandteil unserer Mannschaft gewesen, er war maßgeblich für unsere vielen Erfolge mitverantwortlich. Er ist oft mit seiner Energie, seinem Ehrgeiz und seinen Plays vorangegangen und hat immer 100 Prozent gegeben, ob im Training oder im Spiel“, lobt Headcoach Sükran Gencay ihren 1,88 Meter großen Scharfschützen. Das belegen auch Zahlen: Neben Tyseem Lyles war Vid in der Aufstiegssaison 2019/2020 wichtigster ETV-Spieler, wurde in der Ersten Regionalliga Nord bester „European Player“ mit 22 Punkten, sechs Rebounds, fünf Assists und mehr als zwei Steals im Schnitt pro Partie.

 

Sein Erfolgsgeheimnis? Vor allem sein sportlicher Ehrgeiz. Der kann beim unbedarften Betrachter schon mal Irritationen auslösen, wenn der erfolgsbesessene Allrounder auf dem Feld ein wenig lauter wird – auch in Richtung seiner Mitspieler. „Er ist halt ein Spieler, der aneckt und von außen bissig wirken kann. Ich habe das aber immer respektiert und ihn immer so genommen, wie er ist, weil ich weiß, dass es ihm immer nur ums Gewinnen geht“, erklärt seine Cheftrainerin. Und auch Uzkuraitis selbst weiß um die Problematik, auch wenn aller Ärger nie persönlich gemeint ist: „Mein Charakter ist meine Stärke und meine Schwäche zugleich. Ich gebe bis zum Ende alles, will immer besser sein als die anderen. Andererseits kann ich dadurch auch manchmal ein wenig zu heiß werden“, so Vid.

 

Auch in der ersten ETV-Saison in der ProB war der Mann mit der Rückennummer 7 eine der Stützen – auch wenn von hinter der Dreierlinie nicht jeder Wurf fiel. „Wir haben uns insgesamt positiv entwickelt, haben gelernt, physisch dagegenzuhalten. Aber es gab auch viele schwierige Momente. Ich denke, wir können noch besser spielen. Für die meisten Jungs war es aber auf jeden Fall eine sehr gute Erfahrung“, meint Vid. Immerhin kämpften die Amateure aus Eimsbüttel gegen teils hochbezahlte Profis aus Vereinen mit einem Vielfachen des ETV-Etats. Am Ende stand zwar der 12. und damit letzte Platz, doch wurde der Abstieg von der Liga wegen Corona in diesem Jahr erneut ausgesetzt. Trotz der vielen Niederlagen und ungeachtet der schwierigen Umstände – allein fünf ETV-Partien mussten wegen positiver Tests verlegt werden – stimmte der Teamspirit beim Aufsteiger. „Es waren immer alle füreinander da. Wir sind zu einer tollen Bande geworden“, sagt Vid, der sich von seinen Teamkollegen besonders mit Vladi Migunov, Center-Wühler und gebürtiger Russe, gut versteht.

 

Und nun also ein weiterer Schritt in ein neues Leben. Am 31. Mai steht der Umzug an, Frau und Kind werden schon früher den Rückweg über die Ostsee antreten. Einen neuen Job hat Vid, der in Hamburg in einer Rechtsanwaltskanzlei arbeitet, noch nicht. Doch das dürfte angesichts seiner Sprachkenntnisse (Litauisch, Russisch, Englisch, Deutsch und Flämisch fließend sowie ein bisschen Polnisch) kein Problem werden. Und natürlich will der passionierte Playstation-Zocker, Netflix-Fan und Liebhaber von Sportler-Biografien auch in seiner Heimat noch ein bisschen auf hohem Niveau passen, dribbeln und werfen: „Mal schauen, was mein Körper macht. Noch ein, zwei Jahre für Palanga in der Zweiten Liga wäre gut.“ Eine spätere Trainierkarriere ist zudem nicht ausgeschlossen.

 

Und natürlich wird der Kontakt zum ETV nicht so schnell abreißen, wie auch Trainerin Süki bestätigt: „Ich bin natürlich traurig, dass er geht, freue mich aber auch für ihn und seine Familie. Vielleicht besteht mal die Möglichkeit, ihn dort zu besuchen und ein Freundschaftsspiel zu machen. Es ist sehr schade, dass Vid wegen Corona keinen gebührenden Abschied beim ETV bekommt. Da müssen wir uns noch mal was überlegen. Aber Vid wird auf jeden Fall hier immer willkommen sein.“

 

Christian Jeß

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